ReiseMarkt
Rhein-Neckar-Pfalz

02. - 04. Februar 2018
Maimarkthalle Mannheim
 

Rüdiger Nehberg auf dem "Traumpfade-Festival"

Exklusivinterview mit dem Survival-Experten
 

ReiseMarkt: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Abenteurer zu werden? Was war der Auslöser?

Das war keine Idee, sondern Veranlagung. Es war Neugier auf die Welt und Bereitschaft zum Risiko. Als achtmonatiger Embryo wurde es mir im Mutterleib zu eng, und dann war ich da. So hat das begonnen.

ReiseMarkt: Wie viele schwierige Situationen in Ihrem Leben gab es, in denen Sie dachten, dass es unmöglich ist, da wieder herauszukommen?

Ich hatte das Glück, 26 bewaffneten Überfällen zu entkommen. Mit Glück und Survival Know How. Das Schlimmste war der Überfall auf mich und zwei Freunde am Blauen Nil, Äthiopien. Eines Morgens war das Lager von einem Dutzend bewaffneter Männer umstellt. Sie schossen ohne Anruf. Mein Freund Michael war auf der Stelle tot. Wir anderen beiden hatten in diesem ersten Moment einfach nur Glück, nicht getroffen worden zu sein. Bevor die Männer nachgeladen hatten, konnten wir bereits zurückschießen. Das war Survival. Denn wir trugen auf jener Reise unterm Hemd Tag und Nacht einen Überlebensgürtel. Dazu gehörte ein Revolver. Das hatten die Banditen nicht erwartet. Sie flohen und versteckten sich. Wir nutzten die Verwirrung und entkamen über den Fluss unter Zurücklassung der Ausrüstung. Fünf Tage Flucht und Panik, Tag und Nacht, weil wir davon ausgehen mussten, verfolgt zu werden und die Angreifer den Geländevorteil hatten.

Mithilfe der deutschen Botschaft in Addis Abeba haben wir eine Fahndung ausgelöst und die Täter gefangen.

ReiseMarkt: Was war Ihr einprägsamstes Erlebnis?

Neben dem eben genannten waren es Momente wie die Begegnung mit dem Urvolk der Yanomami in Brasilien und deren drohende Ausrottung durch eine Armee von illegalen Goldsuchern. Oder meine Fahrt über den Atlantik auf einem Tretboot. Vor allem, weil ich Angst hatte vor Wasser.

Dann war es die Konfrontation mit dem Verbrechen Weibliche Genitalverstümmelung und der Entscheidung, gemeinsam mit meiner Frau, eine eigene Menschenrechtsorganisation zu gründen und mit dem Islam als Partner den Brauch zu beenden. Inzwischen mit beispiellosem Erfolg. Die höchsten Glaubensführer haben den Brauch auf einer von uns durchgeführten Konferenz in der Azhar zu Kairo (von der Bedeutung vergleichbar mit dem Vatikan) zu einem "Verbrechen gegen höchste Werte des Islam erklärt. Diese "Fatwa" in die Köpfe er Betroffenen zu hämmern, ist Schwerpunkt unserer derzeitigen  Arbeit.

ReiseMarkt: Welche Rolle spielt die mentale Stärke, um in den schwierigsten und gefährlichsten Situationen überleben zu können?

Eine herausragende. Mir war immer wichtig, vor den Reisen die  denkbaren Gefahren bestmöglich zu analysieren und mich dagegen zu wappnen. Sowohl mit autogenem wie mit körperlichem Training. Dabei erkennt man seine Grenzen und vermeidet die bedrohliche Selbstüberschätzung.

ReiseMarkt: Was war die ekligste Speise, die Sie im Überlebenskampf jemals essen mussten?

Bananensuppe (gelb und lecker wie Apfelsuppe) mit Totenasche verstorbener Yanomami-Indianer (grau und weniger appetitlich).

ReiseMarkt: Gibt es ein "no go", dass man als Abenteurer beachten muss und wovon Sie angehenden Survival Experten abraten würden?

Selbstüberschätzung, Tolldreistigkeit, Überheblichkeit gegenüber anderen Kulturen.

 

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